Komm, wir gehen ins Licht

Natur – Der Wald lebt

Einst beim Spaziergang stand ich
vor einem großen Wald,
und vor dem grünen Tore
macht ich vor Ehrfurcht halt.

„Ich bitte dich, o großer Wald,
lass mich in deine Welt,
und zeige deine Wunder mir
unter dem grünen Zelt.

Ich spüre es, o grüner Freund,
in dir muss mehr noch sein,
als mir verrät der Augen Blick
und fühlt die Hand allein.“

Da merkte ich schon einen Hauch,
ein Wipfel tat sich neigen,
als wollt mir jene Eiche dort
den Weg der Wunder zeigen.

Ergriffen trat ich an den Weg,
der so mir ward gewiesen,
ergriffen stand ich dann alsbald
im Reich der grünen Riesen.

Es sprach zu mir der Eichenbaum
leis in mein offnes Herz.
Mir war, als schwang in jedem Wort,
fast auch ein wenig Schmerz.

Er sprach von dieses Waldes Reich,
von Gottes Hand erlesen:
„O spüre Seine Schwingung nur
in jedem Lebewesen.

Es ist ein Geisteswesen
auch in dem kleinen Stein,
und Gott hält uns zusammen,
Er lässt uns nicht allein.“

Ich hörte auch von Zwergen,
von Nixen, guten Feen:
„Dein Auge kann´s nur schauen,
wenn´s auch dein Herz gesehn.“

So öffnete ich die Hände
und machte die Augen zu,
da floss die Schwingung mächtig
auf meinen Körper zu.

Und ich fing an zu weinen
und betete gerührt,
weil ich den Gottesfunke
auch hier im Wald gespürt.

„Ja, Gott ist in uns allen“,
so sprach der Eichenbaum,
„dass dies der Mensch erkenne,
ist lange schon mein Traum.“

Ergriffen trat ich leise
ganz nah zum Eichenherz
und fühlte zitternd heftig
die Kraft und auch den Schmerz:

„O Menschenkind, erkenne,
was du in Wahrheit bist,
und dass in jedem Wesen
der Geist vom Herrgott ist.

Und liebst du grüne Wiesen,
die Tiere und den Strauch,
liebst du auch Gott, den Vater
und deinen Nächsten auch.

So wünsche allen Liebe
und wünsche allem Glück,
dann kommt von allen Seiten
der Segen auch zurück.

Die Liebe ist vom Vater,
Gott hat auch alle Macht,
das Böse zu besiegen,
bis dass das Werk vollbracht.“

So sprach die Eiche leise,
mir wurd ums Herze warm,
und um den Stamm ganz zärtlich
legte ich meinen Arm:

„O Eiche, liebe Eiche“,
so sprach ich ganz gerührt,
„ich werde nie vergessen,
was ich bei dir gespürt.

Ich werde stets bedenken,
was du gesagt, mein Baum,
und betend will ich leben
den wunderbaren Traum.“

Den Traum vom Glück im Leben,
den Traum vom Paradies,
den mir in jenen Stunden
die weise Eiche wies.

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Der Wald lebt.pdf

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